Der metaphorisch-narrative Typ

Narrative, also Erzählungen, Mythen und Legenden, sind nicht per se negativ, sondern können kulturelle Orientierung, Identität oder Sinn stiften. Dies gilt für Individuen, Gruppen, Organisationen und Gesellschaften.
Es gibt jedoch eine absolute Form der Narrativität, die für sich alleine stehen will und ungeprüft Geltung und bedingungslose Gefolgschaft zu beanspruchen trachtet.
Dogmatismus, ideologische Fixierung, autoritäres Denken oder routinierte Praxis bedienen sich häufig bestimmter Narrative anstelle prüfbarer Argumente, um ihren absoluten Erkenntnis-, Richtigkeits- und Herrschaftsanspruch zu rechtfertigen. Die menschliche Geschichte liefert Anschauungsmaterial hierfür in Fülle.
Exemplarisch für reflexionsfeindliche Narrativität steht die Schlüsselszene des Dramas „Leben des Galilei“ von Bertolt Brecht. Der bahnbrechende Astronom und einer der wichtigsten Begründer der neuzeitlichen exakten Naturwissenschaften lädt Vertreter der Kirche ein, durch sein Fernrohr zu schauen, um selbst die Jupitermonde zu sehen, als Beweis für das kopernikanische Weltbild. Die Inquisitoren lehnen dies ab. Sie weigern sich, durch das Fernrohr zu blicken, mit der Begründung, dass das, was sie sehen würden, nicht mit der Heiligen Schrift vereinbar sei.
Der sachlich-argumentative Typ
Schon früh in der Menschheitsgeschichte traten unabhängige Geister auf den Plan, die herkömmliche Narrative argumentativ auf den Prüfstand stellten. Sokrates hinterfragte gängige Auffassungen von Ehre, Mut, Tapferkeit und Frömmigkeit als bloße Konventionen und forderte eine begründete Bestimmung dessen, was wirklich tugendhaft ist.
Gegen die Sophisten, die Wahrheit oft der Überzeugungskraft der Rede unterordneten, setzte Sokrates die sokratische Maieutik und das Prinzip, dass wahres Wissen argumentative Prüfung braucht. Sokrates untersuchte die Frage, ob „rechtmäßig“ gleich „gerecht“ ist, und ob man Gesetzen blind gehorchen muss; er suchte nach einer ethischen Begründung für Gehorsam und Ungehorsam. Er thematisierte traditionelle religiöse Deutungen von Schuld und Frömmigkeit und hinterfragte populäre göttliche Erklärungen für moralische Pflichten.
Hierzu entwickelte Sokrates eine Methode des strukturierten Dialogs zur Gedankenprüfung, die er als „Hebammenkunst“ bezeichnete. Zweck der sokratischen Gesprächsführung ist nach seinem Schüler Platon die gemeinsame Einsicht in einen normativen und/oder zwischenmenschlichen Sachverhalt auf der Grundlage von Frage und Antwort. Der Ausspruch Ich weiß, dass ich nichts weiß kennzeichnet die ergebnisoffene und lernbereite Haltung von Sokrates gegenüber seinen Gesprächspartnern.
Das eigene Denken einschätzen und gestalten zu können ist ein Haupanliegen von Sokrates, der meinte, dass ein Leben ohne Prüfung für den Menschen nicht lebenswert sei.

Der subjektiv-intuitive Typ
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