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Denkmodi

Die langfristige Wirkung des Handelns auf den individuellen Lebenserfolg wie auf den gesellschaftlichen Fortschritt hängt wesentlich davon ab, inwieweit das Denken auf fundierten mentalen Landkarten aufbaut. Hierzu bedarf es effektiver Reflexion. Reflexionskunst ist der Versuch, intellektuelle, künstlerische und methodische Ressourcen so zu bündeln, dass daraus ein optimales Maß an Reflexionsstärke entspringt. Ziel ist die Auflösung blockierender und die Entdeckung lebensförderlicher Einsichten und Narrative.

Die Verbindung sachlich-argumentativer mit metaphorisch-narrativer bzw. subjektiver-intuitiver Methodik ist intellektuell fruchtbar und praxisrelevant, wenn wissenschaftlich fundierte Aussagen von der Anschaulichkeit von Erzählungen, Bildkunst und Metaphorik profitieren und wenn umgekehrt künstlerische Intuition und Ästhetik durch eine solide Argumentationsbasis an Seriosität gewinnen!

Narrative erhöhen die Verständlichkeit und Wirksamkeit von Theorien, Reflexivität sichert epistemische Integrität. Methodisch sauber umgesetzt führt die Verbindung zu Erkenntnissen, die sowohl glaubwürdig als auch einprägsam sind.

In der Abhandlung „The Master and His Emissary“ vergleicht Iain McGilchrist die Beziehung zwischen den beiden Hirnhälften mit der zwischen einem Herrn und seinem Gesandten. Danach gibt die rechte Hemisphäre als Herr die Richtung vor, die sprachbegabte linke dagegen fasst das jeweilige Tun in Worte. Die rechte Gehirnhälfte sieht eher das große Ganze, die linke liefert Begründungen dafür und fokussiert die Details. Den Sinn dieser Arbeitsteilung zeigt McGilchrist am Beispiel eines Vogels auf, der ein Nest baut. Einerseits muss er sich darauf konzentrieren, akkurat Zweige zusammenzuknüpfen. Andererseits muss er offen bleiben für Unerwartetes – etwa einen plötzlich auftauchenden Feind (Die Zeit Nr. 25, vom 13.06.2013).

Wie des Weiteren Helmut Fuchs und Andreas Huber in ihrem Buch „Metaphoring“ ausführlich belegen, können theoretische Begriffe wie „Identität“ oder „Rationalität“ sowie komplexe Sachverhalte wie z.B. „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ nur mit Hilfe von Metaphern in ihrer Bedeutung voll erfasst werden.

Reflexionskunst stützt sich deshalb auf einen links- und einen rechtshemisphärischen Denkmodus. In ihren Werken werden beide zu einer Synthese verbunden.